Gesundheitsförderung

Haltungsprobleme von Schulkindern

Wirbelsäulenprobleme der Schulkinder

Das Trauma unserer Zivilisation liegt in der statischen Überbelastung eines für die Dynamik geschaffenen Bewegungsapparates.
Dr. med.univ. Herbert Preschitz, Facharzt für Orthopädie u. orthopädische Chirurgie:

„Nicht von Ungefähr entstehen schon in der Kindheit Haltungsprobleme: Durch zu viel und zu langes (falsches) Sitzen in der Schule, zu Hause während der Hausaufgaben und in der Freizeit kommt es zu gesundheitlichen Problemen.
Die Zahl der Kinder mit ernstzunehmenden Mängeln am Stütz- und Bewegungsapparat steigt ständig.
Ausgleichende Bewegungsanreize werden sowohl in der Freizeit als auch in der Schule zunehmend weniger (z. B. Kürzung der Turnstunden).
Neben dem bereits seit Jahrzehnten praktizierten „Haltungsturnen“ des orthopädischen Referats der MA 15 bietet nun auch der Verein "Bewegtes Lernen BWL-GF“ eine Maßnahme an, die dieser Entwicklung entgegensteuern soll.“

Gesundheitschecks des Vereins an Wiens Schulen im Rahmen der Initiative BWL-GF Bewegtes Lernen – Gesundheitsförderung

1. Die Rückenmaus – Ein analog-digitales Messgerät zur Erfassung der sagittalen Rückenkontur

Es wird ein neuartiges mechano-elektronisches Messsystem vorgestellt, mit dem die sagittale Rückenkontur und Beweglichkeit von HWK7 bis zum Sakrum auf einfachste Weise und nichtinvasiv erfasst und dokumentiert werden kann.
Das handtellergroße Gerät erlaubt in Verbindung mit einem MS-DOS-kompatiblem PC die Konturenerfassung an einem beliebigen im Raum positionierten Patienten; als Orientierungsreferenz dient die Schwerkraft.
Das Gerät wird von Hand entlang der Haut oberhalb der Dornfortsätze geführt, dabei registrieren ein Laufrad mittels Lichtschranke die abgefahrene Wegstrecke und ein Pendelpotentiometer den momentanen Winkel relativ zum Lot.
Alle relevanten Parameter wie Rückenlänge, Inklination gegenüber der Vertikalen, Kypho- und Lordosierung und segmentale Winkelstellung werden anschaulich dargestellt sowie graphisch und numerisch dokumentiert.
Im Vergleich zu bekannten Verfahren bietet das vorgestellte System wesentliche Vorteile sowohl hinsichtlich Genauigkeit, Objektivität und Dokumentation der Messwerte als auch hinsichtlich Nichtinvasivität, Anwender- und Patientenfreundlichkeit sowie Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Bisherige Ergebnisse sprechen für gute inter- und intra-observer-Reproduzierbarkeit bei hoher Validität und klinischer Relevanz der Messgrössen.
Breite Einsatzmöglichkeiten sind für die Haltungs- und Beweglichkeitsdiagnostik in Praxis und Klinik bei den verschiedensten Krankheitsbildern des Bewegungsapparates mit Fehlhaltung bzw. Fehlform der Wirbelsäule gegeben.
Darüber hinaus ist das System für vergleichende Reihenuntersuchungen sowie zur objektiven Therapieerfolgs- und Verlaufskontrolle hervorragend geeignet.
Dank der einzigartigen Möglichkeit, gruppenspezifische Haltungen zu definierten, ist das System auch für wissenschaftliche Untersuchungen äußerst wertvoll.
Mittels einer einfachen Abwandlung der Wegstreckenmessvorrichtung lässt sich der Messbereich auch auf die frontale Ebene erweitern, so dass in einem einzigen Messvorgang skoliotische Fehlhaltungen und -formen sowie Lateralflexionen der Wirbelsäule mit erfasst werden.
Mit diesem erweiterten Messsystem lassen sich, bei unverändert einfacher Handhabung, alle klinisch relevanten Funktions- und Haltungsprüfungen des Achsenskeletts – mit Ausnahme rotatorischer Komponenten – durchführen.

Zeitschrift: Pyhs Rehab Kur Med 4 (1994)
N. Seichert. M. Baumann, E. Senn, H. Zuckriegl
Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Ludwig-Maximilians-Universität
München (1994)
(Direktor: Prof. Dr. med. E. Senn)

Oberflächenmessverfahren (Medimouse) versus Röntgenfunktionsaufnahmen zur Beurteilung der lumbalen Wirbelsäulenbeweglichkeit

Fragestellung: Für die objektive Beurteilung der Therapieergebnisse bezüglich der lumbalen Wirbelsäulenbeweglichkeit steht neben der radiologischen Funktionsdiagnostik mit der „Medimouse“ ein nicht strahlenbelastendes Oberflächenmessverfahren zur Verfügung.
Es soll die Frage der Messgenauigkeit der „Medimouse“ gegenüber dem radiologischen Verfahren getestet werden.
Methodik: Im Rahmen einer prospektiven Untersuchung erfolgte bei 31 Patienten die Bestimmung der segmentalen und Gesamtkrümmungswinkel der Lendenwirbelsäule an Hand digitaler radiologischer Funktionsaufnahmen.
Bei gleichen Untersuchungsbedingungen erfolgte zusätzlich die Vermessung des Oberflächenreliefs der Wirbelsäule von HWK 7 bis SWK 1 mit der Medimouse.
Dabei erfolgt die Bestimmung der Wegstrecken und Winkel sowie deren Veränderung in Flexion und Extension an der Rückenoberfläche.
Ergebnisse: Bezüglich der Haltungsmessung in aufrechter Position ergibt sich eine Korrelation zwischen der Medimouse und dem radiologischen Messverfahren von 0,93.
Bei den Bewegungsmessungen zeigt sich eine günstigerer Zusammenhang mit einer Korrelation von 0,96.
Schlussfolgerung: Es besteht eine enge Korrelation zwischen dem Standardverfahren der radiologischen Bewegungsmessung und dem Oberflächenmessverfahren.
Aufgrund der fehlenden Strahlenbelastung eignet sich somit die „Medimouse“ für wiederholte Messungen und damit für eine engmaschige Therapiekontrolle.

Publiziert: E. Bistritschan, S. Delank, G. Winnekendonk, P. Eysel in Zeitschrift für Orthopädie, Jahrgang 141,
2003, Heft S1; Postersession Deutscher Orthopädie-Kongress 2003
Auswertung des Wirbelsäulenchecks:

 



2. S3- Koordinationscheck

Parameter:
- Koordination
- Seitigkeit
- Gleichgewicht

Der Test besteht aus einer individuellen Aufwärmphase, einem Probedurchgang (15 s) und zwei Wertungsdurchgängen (je 30 s) auf der MFT Balance Disc.
Zur Auswertung wird der bessere Wertungsversuch herangezogen.
Zuerst wird die Fähigkeit zur Links/Rechts-Stabilisierung, anschließend zur Vor/Rück-Stabilisierung getestet.
Der S3-Check kann in den Altersgruppen zwischen 8 und 70 Jahren angewendet werden.
Durch erhobene Normwerte für einzelne Altersstufen bzw. Frauen und Männer lassen sich individuelle Messergebnisse gut interpretieren.
Der patentierte S3-Körperstabilitätstest, ein modernes Computer-Mess-System, ermöglicht die Beurteilung der globalen Körperstabilität, der sensomotorischen Regulationsfähigkeit und funktionaler muskulärer Asymmetrien.
Er wird in der orthopädischen Befunderhebung und in der sportmotorischen Leistungsdiagnostik verwendet, um mögliche Defizite am Bewegungsapparat möglichst früh zu erkennen.

Testmaterial:

Die MFT-Körperstabilitäts-Messplatte ist über eine USB-Schnittstelle mit einem PC bzw. Notebook verbunden.
Mit Hilfe der Messsoftware können Messungen aufgezeichnet, ausgewertet , ausgedruckt und in einer Datenbank abgespeichert werden. Auf Grund der Testergebnisse kann automatisch ein Trainingsprogramm erstellt werden.

3. Orthopädischer Sicht- und Tastbefund

Orthopädische Reihenuntersuchung an Wiener Volksschulen

Die orthopädische Reihenuntersuchung hat im Vergleich zu einer fachärztlichen, privaten Untersuchung hauptsächlich eine gesundheitspräventive Funktion zu erfüllen.
Wesentlich ist die rechtzeitige Erkennung von Krankheitsbildern oder auch Erkrankungsrisken.
Die weitere Behandlung bzw. Therapie obliegt dem Facharzt, zu dem das Kind überwiesen wird.

Vor der eigentlichen Untersuchung steht die Anamnese, bei der bereits aufgetretene Beschwerden, die genaue Lokalisierung und Art des Schmerzes (klopfend, pulsierend, schneidend, stechend, ...) erhoben werden.
Besonders belastende Situationen und andere Auslöser der Schmerzen werden geklärt.

Innerhalb der schulischen orthopädischen Reihenuntersuchung wird das Umfeld des Kindes beleuchtet.
Das Kind wird über sein Bewegungsausmaß, die Ergonomie seiner Schulmöbel (höhenverstellbare, kippbare Tische), die Teilnahme am Haltungsturnen oder die Art seiner Nachmittagsgestaltung befragt.

Anschließend wird vom Orthopäden ein Haltungsstatus durchgeführt.
Bei diesem Sichtbefund kontrolliert der Facharzt die Haltung der Wirbelsäule des Kindes im aufrechten Stand und in der Vorbeuge.
Die Haltungsanalyse wird in einem Untersuchungsprotokoll (siehe Anhang) festgehalten.
Sie beinhaltet neben der optischen Einschätzung des Übergewichts (Adipositas) die orthopädischen Bereiche


1. Rückentyp (Rundrücken, Hohlrundrücken, Hohlrücken, Flachrücken, Scapulae alatae)
2. den Thorax (Thoraxassymmetrie, Kielbrust, Trichterbrust)
3. Wirbelsäule (skoliotische Fehlhaltung, Skoliose, Rippenbuckel rechts/links, Lendenwulst rechts/links, Lendendreiecke asymmetrisch)
4. Beinachse (X-Bein, O-Bein)
5. Gang (Gangbild, Zehenballengang, Fersengang, Einbeinhüpfen) und
6. Fuß (Adductus, Knickplattfuß, u.a.).

Falls der untersuchende Orthopäde Auffälligkeiten in einem oder mehreren orthopädischen Bereichen diagnostiziert, werden die Eltern verständigt, dass eine weitere, fachärztliche bzw. therapeutische Betreuung nötig ist, um die Nachhaltigkeit der gesundheitspräventiven Maßnahme zu gewährleisten.

4. Sportmotorische Tests

Parameter der Testbatterie:
TEST 1 PARAMETER:
10m Wendesprint
Zyklische Schnelligkeit inkl. Gewandtheit
TEST 2 PARAMETER:
Berg- und Talparcour
Koordination unter Zeitdruck; Gewandtheit und Orientierungsfähigkeit
TEST 3 PARAMETER:
Standweitsprung / horizontale Sprungkraft
TEST 4 PARAMETER:
Klettern auf Schrägbank / Kraftfähigkeit der oberen Extremität
TEST 5 PARAMETER:
Werfen - Fangen 20sek. / Differenzierungs- und Orientierungsfähigkeit unter Präzisions- und Zeitdruck
TEST 6 PARAMETER:
Turnbank balancieren / dynamisches Gleichgewicht unter Zeitdruck

Klassenauswertung der sportmotorischen Tests des Vereins  Bewegtes Lernen – Gesundheitsförderung in Volksschulen / Wien
(1 geschafft; 2 nicht geschafft)

Startnr. Geschl. Geburtsd. Grösse Gewicht Alter-Lauf Sit up Liegestütz Kreisel 1 Bein Stand
          ja/nein ja/nein ja/nein rechts links
      [cm] [kg] +/- +/- +/- +/- +/-
1 m       1 1 2 1 1
2 m       1 1 1 1 1
3 m       1 1 1 1 1
4 m       1 1 2 1 1
5 m       1 1 1 1 1
6 m       1 1 1 1 1
7 m       1 1 1 1 1
8 m       1 1 2 1 1
9 m       1 1 1 1 1
10 m       1 1 1 1 1
11 m       1 1 2 1 1
12 w       1 1 1 1 1
13 w       1 1 1 1 1
14 w       1 1 1 1 1
15 w       2 2 2 1 2
16 w       1 1 1 1 1
17 w       1 2 1 1 2
18 w       1 1 1 1 1
19 w       2 1 2 2 2
20 w       1 1 1 2 1

 

Ballweitstoß Standweitsprung Berg-Tal-Parcours
knien    
[cm] [cm] Zeit [s]
420 150 9
510 178 6,93
350 120 12,03
480 158 8,34
530 200 7,40
460 161 9
310 180 7,87
440 160 11,59
380 145 8,44
430 150 11
390 150 7,69
580 155 10
365 105 9,72
450 148 10
440 110 19,5
440 130 10
420 111 10
605 157 8,66
350 110 13,22
460 135 8,87